Ferienwohnung in Marrakesch: erst das Viertel, dann die Wohnung

Agdal, Marrakech, Morocco - panoramio
Agdal, Marrakech, Morocco - panoramio · karel291 · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

In Marrakesch entscheidet das Viertel, nicht die Wohnung. Für dasselbe Geld bekommst du ein Zimmer im Riad mitten in der Medina, eine neuere Wohnung mit Pool in Guéliz oder eine Villa am Ende einer Piste in der Palmeraie. Drei verschiedene Urlaube — und wer sie verwechselt, merkt es am ersten Abend, wenn das Taxi dort hält, wo der Asphalt aufhört.

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Architetti studio ko, museo YSL a Marrakech
Architetti studio ko, museo YSL a Marrakech · Pivari · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Die Medina: mittendrin, aber zu Fuß

Wer in der Medina wohnt, wacht fünf Gehminuten vom Djemaa el-Fna auf und kauft sein Brot dort, wo das Viertel sein Brot kauft. Dafür kommt kein Auto bis zur Tür: Das Taxi setzt dich an einem der Stadttore ab, und die letzten zwei- bis dreihundert Meter gehst du selbst, durch Gassen ohne Namen. Ein Rollkoffer über Kopfsteinpflaster ist dabei laut und langsam.

Lass dir vorher sagen, an welchem Tor du aussteigst, und lass dich abholen, wenn du abends ankommst. Nach zehn gehen die Rollläden runter, die Gassen leeren sich, und die Karte auf dem Handy hilft zwischen zwei fensterlosen Mauern nicht weiter: Das Signal springt, und du drehst dich im Kreis.

Al-Mazar Marrakech
Al-Mazar Marrakech · Ilyass T. · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Warum ein Riad im Juli gewinnt und im Dezember verliert

Die alten Häuser sind klug gebaut: zur Gasse hin geschlossen, nach oben offen. Der Innenhof zieht kühle Luft nach unten, die Dachterrasse gehört dem Abend. Im Juli schlägt so ein Haus jede moderne Wohnung mit Westfenstern und einem einzigen Klimagerät im Wohnzimmer.

Im Dezember dreht sich das um. Kaum ein altes Riad hat eine richtige Heizung, die dicken Mauern bleiben kalt, und der offene Innenhof arbeitet abends gegen dich. Frag schriftlich nach, wie geheizt wird: «es gibt Decken» ist auch eine Antwort.

Guéliz und Hivernage: die Stadt, die fährt

Guéliz ist die Neustadt, mit dem Lineal gezogen: breite Gehwege, Cafés, echte Supermärkte und an jeder Ecke ein petit taxi. Die vernünftige Wahl mit kleinen Kindern, mit Kinderwagen oder für einen langen Aufenthalt, bei dem du kochst. Hivernage nebenan ist grüner und teurer, abends aber ausgestorben.

Bis zum Djemaa el-Fna sind es zehn bis fünfzehn Minuten mit dem Taxi, im Feierabendverkehr länger. Den Preis machst du aus, bevor du einsteigst, oder du bittest um den Taxameter: Verhandelt wird im Stand, bei offener Tür, nicht am Ziel mit den Koffern auf dem Gehweg.

Palmeraie: Pool ja, Spontaneität nein

Wenn sich der Urlaub um einen Pool dreht, bekommst du in der Palmeraie und an den Straßen Richtung Ourika oder Amizmiz ganze Villen zum Preis einer guten Stadtwohnung: großer Garten, nachts absolute Stille, Platz für zwei Familien, die sich die Kosten teilen.

Der Haken passt in einen Satz: Ohne Auto sitzt du fest. Jede Fahrt in die Stadt sind zwanzig bis dreißig Minuten hin und dieselben zurück, und ab dem zweiten Tag lässt du es. Das letzte Stück ist oft eine unbeleuchtete Piste.

Zwei Dinge zeigen die Fotos nie. Der Pool ist selten beheizt, von Dezember bis März also reine Dekoration. Und in der Nähe bewässerter Gärten gibt es Mücken: Frag nach Fliegengittern an den Fenstern, nicht nach der Spraydose im Schrank.

Reisezeit und Preis

März, April, Oktober und November sind die Monate, in denen Marrakesch am besten ist, und die einzigen, in denen Kurzentschlossenheit nicht funktioniert. Dezember und Januar täuschen: Mittags sitzt du im T-Shirt auf der Terrasse, um acht Uhr abends ist es wirklich kalt.

Juli und August sind der Backofen, von dem alle erzählen; zwischen zwei und fünf gehst du schlicht nicht raus. Abends wacht die Stadt wieder auf, und es sind die günstigsten Wochen des Jahres. Im selben Haus kann eine Julinacht halb so viel kosten wie eine Nacht zwischen den Jahren.

Zwei Posten stehen nicht im Angebotspreis. Die Kurtaxe zahlst du vor Ort, pro Person und Nacht; die Höhe legt die Gemeinde fest, frag also deinen Gastgeber. Reinigung und Kaution klärst du vor der Buchung. Und nimm den Reisepass mit, denn wer dich beherbergt, muss ihn anmelden.

Was du vor der Buchung fragst

Die bösen Überraschungen sind fast immer dieselben, und eine Frage vor der Zahlung räumt sie ab. Wer sich die Mühe macht, eine lästige Frage ausführlich zu beantworten, ist auch erreichbar, wenn der Boiler streikt.

Bitte außerdem um zwei Handyfotos von heute, nicht um die aus dem Inserat: Ein Wohnzimmer im Weitwinkel von vor vier Jahren sagt nichts über den Zustand des Sofas. Wer sie am selben Abend schickt, meldet sich auch, wenn sonntags die Gasflasche leer ist.

Direkt beim Eigentümer mieten

Mit dem Eigentümer statt mit einer Agentur zu sprechen hat einen handfesten Vorteil: Man kann verhandeln. Genaue Daten, die Ankunftszeit, ein Zusatzbett, ein Preis für drei Wochen, den keine Preisliste kennt — das klärt sich mit jemandem, der selbst entscheidet.

Dafür liegt die Prüfung bei dir. Frag nach einem Namen, sei misstrauisch bei einem perfekten Inserat zu einem Preis, der für diese Woche nicht zusammenpasst, und zahl nie alles im Voraus. Sag auch, wer kommt: Ein Baby oder zwei Wochen Homeoffice ändern, welches Zimmer du bekommst.

Brauche ich in Marrakesch Bargeld?

Ja, mehr als anderswo. Petits taxis, Stände im Souk und kleine Lokale nehmen nur Bargeld, und in der Medina sind Automaten selten. Heb in Guéliz ab, bevor du in die Altstadt gehst, und nimm kleine Scheine mit.

Wann ist die beste Reisezeit?

März/April und Oktober/November wegen der Temperatur; das sind auch die Monate, in denen du früher buchen musst. Dezember und Januar sind tagsüber mild und nachts kalt, kläre also die Heizung. Juli und August sind heiß, aber deutlich günstiger.

Medina oder Neustadt beim ersten Mal?

Die Medina, wenn du die Atmosphäre suchst und weder großen Koffer noch Kinderwagen dabeihast. Guéliz, wenn du länger bleibst, kochst oder mit kleinen Kindern reist. Viele machen es beim zweiten Besuch andersherum.

Kann man wochen- oder monatsweise mieten?

Ja, und da werden die Preise interessant. Frag nach einem Preis für genau deinen Zeitraum, statt den Nachtpreis zu multiplizieren. Ein Monat im April verhandelt sich allerdings anders als ein Monat im Juli.

Was ändert der Ramadan für einen Urlaub?

Tagsüber ist die Stadt ruhig, viele Restaurants im Viertel öffnen erst zum Fastenbrechen. Abends wacht alles auf und geht sehr lange. Wenn du jeden Mittag auswärts essen wolltest, plane um.

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