Ferienwohnung in Agadir: welches Viertel für welchen Urlaub

Agadir liest sich erstaunlich einfach: Je weiter Sie sich vom Strand entfernen, desto günstiger wird die Wohnung und desto marokkanischer die Stadt. Nach dem Erdbeben von 1960 auf dem Reißbrett neu gebaut, hat sie klar geschnittene Viertel, die man gut vergleichen kann. Alles hängt an einer Frage: Wie oft am Tag wollen Sie ans Wasser?
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Promenade und Founty: der Strand vor dem Fenster
Die Promenade und Founty, die Baie des Palmiers, sind die Postkartenseite der Stadt: Anlagen mit Pool, Restaurants, die großen Hotels. Bezahlt wird der Blick und die fünf Minuten bis in den Sand. Die Häuser sind neu, meist mit Aufzug und Stellplatz – das zählt mehr, als man denkt, wenn man mit zwei Koffern und einem Buggy ankommt.
Vorsicht bei „Meerblick“. Das Wort deckt den offenen Balkon zum Atlantik ebenso ab wie den Streifen Horizont zwischen zwei Nachbarhäusern. Bitten Sie um ein Foto, das vom Balkon aus aufgenommen wurde und nicht vom Strand. Wer darauf nicht antwortet, hat Ihnen bereits geantwortet.
Die Kehrseite: Die kleinen Läden lassen ihre Lage mitbezahlen, für den richtigen Einkauf fahren Sie ins Zentrum. Und wer abends marokkanisches Leben sucht, trifft hier vor allem andere Urlauber.

Talborjt und das Zentrum: die Stadt, die lebt
Talborjt ist das Volksviertel im Zentrum: Markt, Cafés, Taxis, abends Grillduft auf der Straße – und Preise deutlich unter denen an der Promenade. Bis zum Strand sind es zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß, bei Hitze ein Petit Taxi. Bei zwei, drei Wochen stimmt hier das Verhältnis von Preis und Lage am besten.
Zwei Dinge stehen in keinem Inserat. Erstens geht es bergauf: Richtung Kasbah-Hügel zieht die Straße an, und der Rückweg vom Markt mit vollen Tüten, um drei Uhr nachmittags im Juli, geht in die Waden. Zweitens wird es spät laut. Bei leichtem Schlaf fragen Sie nach einem Zimmer zum Innenhof. Und der Souk El Had ist montags geschlossen.
Sonaba, Hay Mohammadi, Dakhla: wenn Sie länger bleiben
In diesen Wohnvierteln lebt Agadir selbst: größere Wohnungen, echte Küchen, ein Supermarkt an der Ecke, Vermietung wochen- und vor allem monatsweise. Der Strand ist keine Treppe entfernt, sondern eine Bus- oder Taxifahrt. Das verändert den Tagesrhythmus vollständig.
Das ist die Wahl derer, die bleiben: Homeoffice, Studium, ein Monat mit der Familie, ein ganzer Winter. Fragen Sie vor der Buchung nach der Verbindung – Glasfaser oder 4G-Router – und rechnen Sie den Nachteil mit: Zwei Taxifahrten am Tag, dreißig Tage lang, stehen am Ende auf der Rechnung. Wer selbst kocht, holt das meiste davon herein.
Der Monat zählt so viel wie das Viertel
Juli und August sind die marokkanische Hochsaison. Familien aus dem ganzen Land füllen die Stadt, der Strand leert sich mittags und ist gegen fünf wieder voll, und die guten Wohnungen sind Monate vorher weg – zu Preisen weit über denen im Mai. Wer im Juni für August sucht, wählt unter dem, was übrig blieb.
Die zweite Sommerüberraschung ist der Küstennebel. Viele Vormittage beginnen grau, und die Sonne kommt erst gegen Mittag durch. Wer eine Woche bleibt und zwei solche Tage erwischt, schimpft aufs Wetter. Es ist schlicht der Atlantik.
Von Dezember bis Februar ist Agadir die mildeste Stadt des Landes, und lange Aufenthalte lassen sich verhandeln: Fragen Sie nach einem Monatspreis, nicht nach einer Woche mal vier. Gebaut sind die Häuser aber gegen die Hitze, nicht gegen die Kälte – ohne Heizung sind Januarabende wirklich frisch. März bis Juni und September bis November bleiben der beste Kompromiss.
Was Sie vor der Zusage prüfen sollten
Die Luft in Agadir ist salzig, und Salz frisst alles, was aus Metall ist: Griffe, die nicht mehr schließen, rostende Geländer, Fensterbeschläge, die auf halbem Weg klemmen. Auf Fotos sieht man das, wenn man auf die Details statt auf das Sofa schaut. Ein zerfressenes Balkongeländer sagt mehr über die Pflege des Hauses als jede Beschreibung.
- Der Aufzug: In vielen vier- bis sechsstöckigen Häusern gibt es keinen.
- Die Ausrichtung: Nach Westen ist der Abend herrlich, der Nachmittag glühend.
- Warmwasser, oft per Gasflasche: Wo steht sie, und wer tauscht sie?
- Der Stellplatz, falls Sie einen Mietwagen nehmen.
- Der Nachmittagswind: am Strand angenehm, auf dem Balkon weniger.
Dazu kommen der Wasserdruck in den oberen Etagen und der Zustand der Klimaanlage: Ein altes, lautes Splitgerät führt dazu, dass Sie bei offenem Fenster schlafen – also mit der Straße im Zimmer. Eine durchgesteckte Wohnung mit Zug von zwei Seiten schlägt ein schlecht montiertes Gerät fast immer. Fragen Sie außerdem, was im Preis steckt: Wasser, Strom, WLAN, Endreinigung, Bettwäsche.
Kaution, Papiere und was schriftlich gehört
Viele Eigentümer vermieten direkt: eine Anzahlung bei der Buchung, Restbetrag und Kaution bei der Ankunft, oft in bar. Das ist hier üblich und kein Warnsignal. Was beide Seiten schützt, ist die schriftliche Absprache – eine Nachricht genügt – und Fotos vom Ankunftstag, vorhandene Schäden eingeschlossen.
- Daten und Ankunftszeit.
- Gesamtpreis und was er enthält.
- Höhe der Kaution und wann sie zurückkommt.
- Wen Sie anrufen, wenn etwas ausfällt: Warmwasser, Aufzug, WLAN.
Eine Ausweiskopie wird fast immer verlangt. Je nach Art der Unterkunft kann eine Kurtaxe anfallen; ihre Höhe hängt von Gemeinde und Kategorie ab, fragen Sie also vor der Abreise danach, statt es bei der Schlüsselübergabe zu erfahren. Und melden Sie einen Nachtflug früh an: Schlüssel um zwei Uhr morgens, mit Koffern in der Hand, verhandeln sich schlecht.
Mit oder ohne Mietwagen
In der Stadt ist das Auto eher Last als Vorteil. Petit Taxis gibt es reichlich und sie kosten wenig: Bitten Sie um den Taxameter oder einigen Sie sich vor dem Einsteigen auf den Preis. Die Bucht lässt sich von Nord nach Süd zu Fuß ablaufen, und abends ist die Promenade der Spazierweg der ganzen Stadt.
Gebraucht wird der Wagen für alles, was außerhalb liegt: Taghazout, Paradise Valley, Taroudant. Dann prüfen Sie das Parken, denn eine Tiefgarage in Founty hat nichts mit der abendlichen Parkplatzsuche im Zentrum zu tun. Zum Flughafen Al Massira rechnen Sie mit einer guten halben Stunde.
Kann man das ganze Jahr über baden?
Der Strand ist jederzeit nutzbar, das Wasser bleibt aber kühl: Der Atlantik liegt hier meist zwischen 17 und 21 °C. Im Winter kommt man für Sonne und Promenade; wer wirklich hineingeht, trägt meist einen Neoprenanzug.
Braucht man ein Auto?
In der Stadt nicht: Petit Taxis fahren überall und sind günstig. Nützlich wird der Wagen für Taghazout, Paradise Valley oder Taroudant – am besten für drei, vier Tage mitten im Aufenthalt statt für die ganze Zeit.
Sind Monatsmieten üblich?
Ja, sehr. Viele Eigentümer vermieten im Sommer wochenweise und sonst monatsweise, pro Nacht deutlich günstiger. Fragen Sie nach dem Monatspreis und danach, was er enthält – sonst schrumpft der Vorteil dort wieder.
Welches Viertel mit kleinen Kindern?
Promenade oder Founty, wenn das Budget es hergibt: Aufzug, Stellplatz, Strand zu Fuß und Mittagsschlaf ohne zweite Taxifahrt. Die Wohnviertel sind für einen Monat ausgezeichnet, für eine Woche mit Kindern, die zweimal täglich ans Meer wollen, deutlich weniger.
Wann sollte man buchen?
Für Juli und August mehrere Monate im Voraus; kurzfristig bleibt nur, was niemand wollte. Für den Winter reichen ein paar Wochen, und über einen langen Aufenthalt lässt sich besser reden, wenn Sie früh schreiben.


